Der Obelix Effekt – Warum man nicht alleine Mittagspause machen sollte

Obelix Effekt Allein Mittagspause

Was ist der Obelix Effekt?

Der Obelix Effekt ist ein Begriff aus der Arbeitspsychologie. Er wird verwendet, wenn einzelne Mitarbeiter die Mittagspause selten oder nie mit der restlichen Belegschaft verbringen.



Wie es zu dieser Bezeichnung gekommen ist?

Obelix, Hund Idefix und Asterix, © Egmont Ehapa Verlag

Die berühmten Comics mit dem Titel „Asterix und Obelix“ handeln von dem Dorf der widerspenstigen Gallier, die den römischen Besatzern mithilfe eines Zaubertranks erfolgreich Widerstand leisten. Neben Asterix ist Obelix die zweite Hauptfigur.

Da Obelix als kleines Kind in den Kessel mit dem Zaubertrank gefallen ist, hält die Wirkung des Zaubertranks für den Rest seines Lebens an. Wenn also alle Dorfbewohner zusammenströmen, um vom Zaubertrank zu trinken, muss Obelix alleine daneben stehen und kann nur neidvoll zusehen.

Genau so wie der Kollege, der nie zum Mittagessen mitgenommen wird. 


Der Obelix Effekt in der Religion: Neben der Verwendung in der Arbeitspsychologie wird der Begriff „Obelix Effekt“ auch in Bezug auf die religiöse Erziehung eines Menschen gebraucht. Der Obelix-Effekt bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein Mensch in einem besonders religiösen Haushalt aufgewachsen ist, diese Religiosität aufgesogen hat (wie Obelix den Zaubertrank) und sie deshalb auf ewig in sich tragen wird.


Trifft der Obelix Effekt auch zu, wenn man sich selbst von den Kollegen abgrenzt?

Bevor ich weiter ins Detail gehe, möchte ich noch eine Sache festhalten. Die Auseinandersetzung mit Verhaltensweisen im Büro und mit dem Obelix Effekt geschehen auf einer bestimmten Grundlage.

Ausgangspunkt ist die Annahme, dass jeder Mitarbeiter von seinen Kollegen geschätzt wird, ein Teil der Gruppe sein und sozial akzeptiert werden möchte. Willst du aber gar keine engen sozialen Bande in deinem Arbeitsumfeld knüpfen, da du dich allein wohler fühlst? Dann trifft das Phänomen des Obelix Effekts nicht auf dich zu.

Eine persönliche Erfahrung mit Selbstausgrenzung⁺
Meinen ersten gut bezahlten Studentenjob hatte ich einer Karlsruhe Online Marketing Agentur als Texter für Naturpharmaprodukte.

Als Student musste ich mein privates Studium mit einer Studiengebühr von monatlich 630€ komplett selbst finanzieren und war deshalb chronisch pleite. Zumindest bis ich ein Stipendium erhielt.

Also habe ich jeden Euro gespart, den ich nur sparen konnte. Ein gemeinsames Mittagessen mit den Kollegen für 7-10€ war da in meiner Wahrnehmung einfach nicht drin. Hinzu kam, dass die Agentur im gleichen Gebäude wie meine WG lag. Ich ging also lieber in die Küche meiner WG und kochte mir schnell eine Mahlzeit für 2-3€, während die anderen zu Mittag aßen.

Da ich als Werkstudent nur 2x die Woche arbeitete, war mir meine Beziehung mit den Kollegen recht egal. Und trotzdem merkte ich, wie ich mich durch mein Verhalten ausgrenzte. Ich konnte richtig spüren, dass ich nicht von den Kollegen angenommen werde. Und Ausgrenzung – auch wenn sie selbst verschuldet ist – kann sich ganz schön fies anfühlen.

Heute würde ich – zumindest ab und zu – mit den anderen zur Mittagspause gehen und mir einfach etwas günstigeres bestellen. Auch weil ich heute weiß, dass eine positive Unternehmenskultur und Gruppendynamik selbst für einen Werkstudenten, eine Menge ausmachen kann.


Grundsätzlich geht es darum, die Mittagspause für Regeneration und Erholung zu nutzen. Wie man die Pause verbringen möchte, ist oftmals vom Charaktertyp aber auch von kulturellen Normen abhängig. Christien Zedler ist Psychologin und Geschäftsführerin des Instituts für Arbeitspsychologie, Organisation und Prozessgestaltung (IAOP). In einem Interview mit der „Welt“ sagt sie:

„Arbeitnehmer sollten in der Pause also das tun, was ihnen guttut und den Kopf frei macht. […] es gibt tatsächlich Arbeitnehmer, die in der Mittagspause schlicht keine Lust auf Gesellschaft haben und lieber allein sein wollen, als im Kollegenkreis über die Arbeit zu plauschen. […] Wenn ihnen das guttut, ist das auch vollkommen in Ordnung.“

Arbeitnehmer sollten in der Pause das tun, was ihnen guttut und den Kopf frei macht.

Christien Zedler, Psychologin

Den Obelix Effekt und seine möglichen sozialen Auswirkungen kennt Zedler aber auch und warnt vor selbstgemachter Ausgrenzung.

„Ein Kollegium ist schließlich auch ein soziales Gefüge. Wer sich in der Mittagspause immer absondert, wird deshalb früher oder später schräg angeguckt.“

Sie rät dazu, sich zumindest hin und wieder der Kollegenschaft anzuschließen und die Mittagspause ab und an gemeinsam zu verbringen. Auch wenn es Überwindung kosten mag, das soziale Standing innerhalb des Unternehmens profitiert davon spürbar.


Ein Beispiel aus meiner Agenturzeit
Die Chefs hatten dafür gesorgt, dass es jede Woche ein gemeinsames Frühstück gab. Es wurde rotiert, wer die Lebensmittel einkaufte und wer den Tisch vorbereitete.

Zusätzlich gab es jeden Monat ein gemeinsames Event, wo wir uns z.B in einem Biergarten trafen, ein Escape-Game spielten, Bowling spielten, Glühwein tranken, uvm. Immer bezahlt von der Agentur. Das Wohl der Gruppe und die Gemeinsamkeit standen im Vordergrund.

Dadurch war gesichert, dass sich unter den Kollegen ein Wir-Gefühl etablierte. Ich bin der Meinung, dass es auch deshalb nie einen Obelix bei uns gab.

Obelix Effekt Gemeinsame Mittagspause

Obelix Effekt: So wichtig ist die Mittagspause

An der Mittagspause scheiden sich oftmals die Geister. Während die einen drauf schwören, stellt sie für die anderen lediglich eine Störung im Workflow dar. Eine Verzögerung auf dem Weg in den Feierabend. Dabei ist die Mittagspause enorm wichtig und zudem gesetzlich geregelt. Eingehalten wird sie jedoch nicht immer.

„Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitnehmer hier zu Lande zu Pausen: Ab sechs Stunden muss eine Auszeit von 30 Minuten genommen werden, bei neun Stunden sind es 45 Minuten. Dennoch kommen Pausen im Arbeitsalltag häufig zu kurz. 26 Prozent aller etwa 17 000 Befragten gaben in einer Umfrage der BAUA an, die vorgeschriebenen Auszeiten ausfallen zu lassen. In einigen Branchen wie dem Gesundheitsweisen sind es sogar noch mehr.“

Die Angst vieler Arbeitgeber, dass (Mittags)Pausen ein Sinken der Produktivität mit sich bringen würden, ist nicht berechtigt. Das belegt eine groß angelegte Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Die Autoren Johannes Wendsche und Andrea Lohmann-Haislah verglichen rund 130 Studien aus 25 Jahren Pausenforschung und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis. So gab Wendsche in einem Interview mit spektrum.de zu Protokoll:

„Es gibt kaum Untersuchungen, in denen Pausen eine negative Wirkung haben. Manche Studien stellen keinen Effekt fest, doch die meisten belegen eine positive Wirkung.“

Es gibt kaum Untersuchungen, in denen Pausen eine negative Wirkung haben. […] die meisten belegen eine positive Wirkung.

Johannes Wendsche, Psychologe

Pausen wirken sich also positiv auf uns und unser Arbeitsumfeld aus. Und das aus mehreren Gründen. Und zwar:


Höhere Produktivität: Die Leistungsfähigkeit des Menschen bleibt im Laufe des Tages nicht auf einem konstant hohen Niveau. Die Kurve unterliegt starken Schwankungen. Nach einem Hoch am Vormittag fällt die Produktivität am frühen Nachmittag in ein regelrechtes Loch. Danach geht es nochmals etwas aufwärts, das vormittägliche Niveau erreicht die Leistungskurve (Artikel zur Leistungskurve verlinken – ist aktuell noch nicht online) allerdings nicht mehr. 

Tipp: Wer seine Produktivität im Alltag verbessern möchte, sollte die Hochphasen seiner persönlichen Leistungskurve kennen. Diverse Produktivitäts-Apps helfen dir, diese Phasen zu erkennen und deine Konzentration langfristig zu fördern.

Bessere Erholung: Dieser Punkt hängt eng mit der Leistungskurve zusammen. Nach einer Anstrengungsphase benötigt der Mensch Zeitfenster der Erholung, um wieder seine maximale Leistungsfähigkeit zu erreichen. Wer die Mittagspause zur Erholung nützen möchte, kann dies grundsätzlich auf zwei Arten tun:

  • Powernap: Die Mittagspause bietet sich perfekt dazu an, die Füße hochzulegen, das Handy auf lautlos zu stellen und für 20 Minuten die Augen zu schließen. Danach fühlt man sich zwar nicht wie neugeboren, die Akkus sind aber deutlich voller als vor dem kurzen Mittagsschläfchen.
  • Bewegung: Eine Runde um den Block zu spazieren oder zu joggen bringt den Kreislauf wieder in Schwung. Die Mittagspause ist für körperliche Aktivitäten bestens geeignet.

Ein Problem taucht rund um die sinnvolle Nutzung der Mittagspause immer wieder auf: Die Motivation ist groß, wird aber vom Alltagsstress hinweggefegt. Es kommt gar nicht zur Ausbildung von Gewohnheiten. Ich habe einen detailierten Habit Tracker entwickelt, der dir bei der Etablierung von Routinen helfen soll. Außerdem findest du bei mir auch eine Liste mit den 30 effektivsten Habit Tracker Apps.

Stärkeres Soziales Gefüge: So verlockend es klingt, in der Mittagspause spazieren zu gehen oder kurz die Augen zu schließen, aus gruppendynamischer Sicht empfehle ich diese zwei Optionen nicht. Denn: Gerade in der Mittagspause findet das Sozialleben der Belegschaft hauptsächlich statt. Kollegen treffen sich, tauschen sich über Job, Familie und Freizeit aus und knüpfen soziale Bande.


Tipp: Warum es sich lohnt Arbeit und Erholung zu trennen

Halte die Mittagspause nicht an deinem Schreibtisch ab.

Trenne die Erholungsphase bewusst von deinem Arbeitsplatz. Wer nämlich am Schreibtisch bleibt, der ist erreichbar. Ein kurzes Antwortmail, ein schnelles Telefonat – das alles hat in der Mittagpause nichts verloren. Die Erholungswirkung wird dadurch deutlich geschmälert, der Boost für die Leistungsfähigkeit bleibt überschaubar.

Das bestätigen auch Wendsche und Lohmann-Haislah mit ihrer BAUA-Studie. In den Abschlussbemerkungen der Studie ziehen sie unter anderem folgendes Resümee:

„Mehrere Studien zeigen, dass eine stärkere Erholung während der Pausen mit einem besseren Befinden einhergeht und positiv mit der intrinsischen Motivation und Arbeitszufriedenheit zusammenhängt. […] Es gibt erste Hinweise darauf, dass ein gelungenes mentales Distanzieren von der Arbeit und Entspannung während der Pausen mit einem besseren Befinden einhergehen.“

Mittagspause Allein Obelix Effekt

Mögliche Gründe, warum du der Obelix deiner Firma bist

Niemand ist von Tag eins an der Obelix im neuen Job und niemand wird diese Rolle unwiderruflich auf ewig einnehmen müssen. Wer sich etwas näher mit der Thematik beschäftigt, der stellt rasch fest, dass einige Auslöser immer wieder auftauchen:

  1. Verschlossenheit
  2. Konzentration auf die Arbeit
  3. Desinteresse
  4. Wiederholtes Ablehnen der Einladung

Verschlossenheit: Warst du in den Anfangstagen deines neuen Jobs immer wieder Teil der Mittagsrunde? Bleiben die Einladungen aber mittlerweile aus? Dann könnte es vielleicht sein, dass du zu wenig von dir preisgegeben hast und der Rest der Belegschaft deshalb das Interesse an dir verloren hat. Klar, es gibt Themen, die sind für ein Gespräch unter Kollegen zu delikat oder zu heikel. Ein wenig Einblick in das Privatleben sollte aber schon drinnen sein.

Konzentration auf die Arbeit: Die Mittagspause bietet die Möglichkeit, abzuschalten und den Arbeitsalltag hinter sich zu lassen. Wenn auch nur für eine kurze Zeit. Wer nun aber zu jenen Personen gehört, die auch während der Pause von nichts anderem als dem Job, einem schwierigen Projekt oder nervigen Kunden redet, der sinkt in der Popularitätswertung unaufhaltsam. Zum Obelix-Status ist es dann nicht mehr allzu weit.

Desinteresse: Manchmal liegt es nicht an ihnen, manchmal liegt es an dir selbst. Wahrscheinlich redest du auch nur ungern mit Menschen, die dir nicht zuhören oder kaum Interesse zeigen. So wird es auch deinen Arbeitskollegen gehen, wenn du nicht aufmerksam mit ihnen kommunizierst.

Wiederholtes Ablehnen der Einladung: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Mit Punkt Nummer fünf knüpfe ich auf gewisse Weise wieder an Punkt eins an und schließe den Kreis. Wer besonders zu Beginn seines Engagements wiederholt Einladungen der Kollegenschaft ausschlägt – zum Beispiel, weil er sich die Reste von gestern in der Mikrowelle aufwärmen möchte oder weil auswärts Essen zu teuer ist – sendet ein Signal. Die Kollegen speichern dieses Signal und wissen/denken, dass eine erneute Einladung keinen Sinn mehr hat. Der Obelix-Status ist dann gewissermaßen selbst verschuldet.


Wie kannst du den Obelix Effekt vermeiden?

Gehe auf deine Kollegen zu! Versuche dich proaktiv zu integrieren.

Warte nicht darauf, eingeladen zu werden, sondern spreche selbst Einladungen aus! Vieles in unserem Leben gelingt mit einer positiven Grundeinstellung besser. Was auf dem Papier einfach klingt, ist in der Realität oft nicht einfach umzusetzen.

Wenn du schon nicht zur Mittagspause dazu kommst, schau, ob ihr andere gemeinsame Aktivitäten findet. z.B. eine Runde Tischkicker oder Tischtennis spielen; ein gemeinsames Feierabendbier genießen der sogar ein Gruppenevent wie Bowling, Billard oder Dart veranstalten.


Mein Tipp, wenn du aktiv an deiner Beliebtheit arbeiten möchtest

Wenn du das Gefühl hast selbst der Obelix in deinem Unternehmen zu sein oder schlichtweg mehr an Beliebtheit dazu gewinnen möchtest, dann kann ich dir das Buch „Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden“ sehr ans Herz legen. Es geht dabei nicht um „Tricks“ oder „Abkürzungen“, sondern um das, was uns Menschen menschlich und herzlich macht. Mich hat es definitiv positiv verändert. Es wurde übrigens 50 Millionen mal in 38 Sprachen verkauft und gehört zu den meistgelesenen Büchern der Welt. Nicht ohne Grund steht es an Platz 1 meiner Bücherliste.


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