Halo Barnum Effekt Heiligenschein
Halo Barnum Effekt Heiligenschein

Der Halo Effekt – Warum wir andere oft im falschen Licht sehen

Der Halo Effekt ist der Grund, warum

  • gutaussehende Kellner mehr Trinkgeld bekommen.
  • man Brillenträger mehr Intelligenz nachsagt.
  • Verkäufer mit Kravatte mehr verdienen als ohne.

Was ist der Halo Effekt?

Der Halo-Effekt (halo = Heiligenschein) ist ein systematischer Fehler der Personenbeurteilung (Urteilsfehler). Ein einzelnes Merkmal einer Person wird so dominant wahrgenommen, dass andere Merkmale in in den Hintergrund rücken bzw. gar nicht mehr berücksichtigt werden.


Heilige und der Heiligenschein
Heilggesprochene mit Heiligenschein (Wiki)

Der Heiligenschein ist ein künstlerisches Stilmittel, das Menschen überhöht, sie zu „Heiligen“ macht. Du kennst den goldenen Lichtkranz sicher von mittelalterlichen Darstellungen. Er zeigt dir, dass du eine Person als etwas Besonderes, als heiliges Vorbild ansehen solltest.


Beim Heiligenschein Effekt wird von einem gewählten Merkmal auf weitere Eigenschaften der Person geschlossen, ohne dass dafür eine objektive Grundlage vorliegt.

Ausgangspunkt für den Halo-Effekt sind vor allem markante Merkmale der zu beurteilenden Person (z.B. physische Attraktivität, Behinderung, außergewöhnliche Leistungen).

Der Effekt der physischen Attraktivität ist besonders häufig belegt worden: Personen, die gut aussehen, werden demzufolge meist auch als intelligent, gesellig oder dominant beurteilt.

Das Auftreten des Halo-Effektes wird gefördert, wenn das Urteil besonders schnell gefällt wird.



Wie kommt es zum Begriff Halo Effekt?

„Halo“ ist das englische Wort für Heiligenschein: Tatsächlich neigt jeder von uns dazu, solche Heiligenscheine zu malen, in Gedanken und unbewusst. Wir schließen eine neue Bekanntschaft und sehen an dieser Person ein Merkmal, das alle anderen Eigenschaften weitgehend überstrahlt. Schon sind wir getäuscht: Das nennt sich Halo Effekt – und ich bin mir sicher, dass auch du dich regelmäßig täuschen lässt. 

Ein angenehmes Äußeres, Freundlichkeit, gute Manieren: Diese Dinge fallen meistens als erstes auf und prägen unser Bild von dem betreffenden Menschen. Ob dahinter Falschheit oder Dummheit stecken, fragen wir uns meistens nicht, weil der Heiligenschein so schön strahlt.

Oft fühlen wir uns auf dem ersten Blick abgestoßen oder zumindest unangenehm berührt, zum Beispiel weil der neue Bekannte stark übergewichtig ist oder einen Sprachfehler hat. In diesem Fall tritt eine Unterart des Halo Effekts in Kraft, der Horn Effekt, angelehnt an das berüchtigte Teufelshorn.

Ent-täusche dich selbst, indem du die Täuschung bewusst hinterfragst. Im besten Fall springen dabei neue Beziehungen heraus, die mehr als vorher in die Tiefe gehen.


Horn-Effekt

Der Horn Effekt (auch Teufelshörner Effekt genannt) ist eine Variante des Halo Effekts. Er tritt ein, wenn von einem negativen Merkmale auf zahlreiche andere negative Merkmale einer Person geschlossen wird; wenn ein negatives Merkmal alle andere Eigenschaften überschattet.


Warum Übergewichtigen Menschen Faulheit, Bequemlichkeit und Mangel an Disziplin zugeschrieben wird.

Warum Menschen mit Sprachfehler als weniger kompetent eingeordnet werden.

Die Entdeckung des Halo Effekts durch Thorndike

Edward Lee Thorndike Portrait von 1912
Edward Lee Thorndike 1912

Der Psychologe Edward Thorndike veröffentlichte seine Erkenntnisse 1920 unter dem Titel „The Constant Error in Psychological Ratings“. Er hatte sich zuvor an die Armee gewandt und kommandierende Offiziere gebeten, untergeordnete Soldaten anhand ihres Erscheinungsbildes einzuschätzen. Die hochrangigen Militärvertreter sollten Eigenschaften wie Leiterschaft, Intelligenz, Loyalität, Musikalität und Zuverlässigkeit der Männer bewerten. 

Heraus kamen einige „Supersoldaten“, die auf ganzer Linie positive Bewertungen erhielten, sowie viele „Loser“, die auf fast allen Gebieten unter dem Durchschnitt blieben. Offensichtlich urteilten die Offiziere nach Körperhaltung oder einem gefälligen Äußeren, ob jemand gut schießen konnte, Ordnung hielt oder musikalisch war. Erhielt ein Soldat in einem Kriterium eine schlechte Beurteilung, zog das weitere negative Bewertungen in anderen Punkten mit sich und andersherum. 

Thorndike schrieb dazu: „Die Korrelationen waren zu hoch und zu gleichmäßig“ – im Wissenschaftsjargon spricht man von „signifikant, das heißt, dass die Erkenntnisse nicht wegzudiskutieren waren. Eine herausragende Rolle spielt die äußere Attraktivität, die unser Urteilsvermögen blendet. Dazu existiert eine Studie aus dem Jahr 2016, die sprichwörtlich dazu anregt, ein Buch nicht am Cover zu beurteilen, sondern vor der Bewertung darin zu lesen.

Sei kritisch! Schön – oder hässlich? Wenn du am Äußeren einer Person hängen bleibst, kann es sein, dass du vieles verpasst.

Studien über die Auswirkungen des Halo Effekts

Nach Thorndike haben sich viele Wissenschaftler mit dem Halo Effekt befasst, ihn näher untersucht und genauer definiert. Im Folgenden stelle ich dir einige Studien vor, die mich beeindruckt haben. Sie zeigen, wie wichtig es ist, diesen psychologischen Mechanismus zu kennen und ihm im eigenen Alltag zu entlarven. 


Schönheit und Trinkgeld

Kellnerin

2015 interessierte sich Matt Parrett in seiner Studie dafür, ob attraktive Kellnerinnen und Kellner mehr Trinkgeld erhalten als andere.

Das Ergebnis dürfte nicht überraschen: Die „Schönen“ verzeichnen durchschnittlich ein Plus von 1.200 Dollar im Jahr.

Die Studie: „Beauty and the feast: Examining the effect of beauty on earnings using restaurant tipping data“


Attraktivität von Schülern

Halo Effekt Schönheit Gute Noten

Clifford und Walster untersuchten 1973 den Zusammenhang zwischen dem äußeren Erscheinungsbild von Schülern und den Erwartungen ihrer Lehrer.

Auch in dieser wissenschaftlichen Studie ergab sich eine auffällige Korrelation: Die Kinder, die von ihren Lehrpersonen als besonders „hübsch“ eingestuft wurden, weckten zugleich höhere Erwartungen, erschienen also intelligenter und aufmerksamer. 

Die Studie: „The Effekt of Physical Attractiveness on Teacher Expectations“


Aussehen und Wohlstand

Halo Effekt Kravatte und Business

Die Studie von Judge, T. A., Hurst, C., & Simon beschreibt den Zusammenhang zwischen physischer Attraktivität, Selbstbewusstsein, Einkommen und finanziellem Wohlstand.

Alles ist eng miteinander verwoben, unter anderem deshalb, weil gut aussehende Menschen häufig einen Vertrauensvorsprung genießen.

Die Studie: „Does it pay to be smart, attractive, or confident (or all three)? Relationships among general mental ability, physical attractiveness, core self-evaluations, and income.“

3 Beispiele für den Halo und Horn Effekt

Die oben genannten wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen bereits, wohin Halo Effekt und Horn Effekt im Alltag führen: Wir interpretieren unbewusst die äußeren Merkmale anderer Menschen als Charaktereigenschaften. Attraktive Personen beurteilen nehmen wir als fähiger oder sympathischer, während wir in weniger „schöne“ Menschen geringere Erwartungen setzen. 

Uns täuscht nicht nur die physikalische Hülle, sondern wir stolpern ebenfalls über Eigenschaften wie Stottern, Rechtschreibprobleme oder Mundgeruch – solange uns diese Merkmale besonders dominant erscheinen. Die folgenden Beispiele aus der Praxis beleuchten die Probleme, die daraus entstehen. 

Achtung! Der Halo Effekt und der Horn Effekt haben praktische Auswirkungen auf dein Leben. Sie beschränken deine Urteilskraft und die Tiefe deiner Beziehungen. Auch das Arbeitsleben ist von den Psycho-Mechanismen betroffen: Personaler setzen Mitarbeiter auf unpassende Posten, weil ihre Einschätzung durch oberflächliche Eindrücke manipuliert ist. Indem du die Effekte in dein Bewusstsein rückst, lernst du, sie zu durchschauen. 


1. Schauspieler

In Kinofilmen und Serien wimmelt es von schönen Helden und Heldinnen. Selten erscheinen Protagonisten auf der Leinwand physisch unattraktiv. Es sei denn es ist ein bewusstes Stilmittel.

Das liegt daran, dass Attraktivität und Heldentum in unserer Psyche eng miteinander verknüpft sind und wir auf der Leinwand gern unser unbewusstes Vorurteil bestätigt sehen. So entsteht keine Dissonanz zwischen dem vorgefertigten Bild und dem, was wir vor Augen sehen. Die „schönen Helden“ bestätigen wiederum das bestehende Klischee und verstärken es dadurch noch. Es ist ein Teufelskreis.

2. Partnerwahl

Du wünschst dir einen intelligenten Partner/ eine intelligente Partnerin? Geistige Regsamkeit ist dir sympathisch? Wenn du unbewusst annimmst, dass bestimmte körperliche Merkmale auf Intelligenz hinweisen, dann ist der Irrtum vorprogrammiert.

Empfindest du zum Beispiel aufgrund einer angenehmen Gesichtsphysiognomie spontan Sympathie, nimmst du wahrscheinlich gleichzeitig an, die Person sei besonders klug. Nach einer gewissen Phase des Kennenlernens erlebst du eine Enttäuschung, die du dir mit mir Achtsamkeit hättest ersparen können.

3. Berufsleben

Bei der Personalauswahl und der Besetzung von Positionen spielt normalerweise nicht nur der berufliche Werdegang eine Rolle. Auch der „menschliche Eindruck“ zählt. Das können handfeste soziale Kompetenzen sein und äußere Eigenschaften, die diese Fähigkeiten vortäuschen, ohne dass sich hinter der Fassade die entsprechende Essenz verbirgt.

So erhält vielleicht ein Kollege den Posten des Abteilungsleiters, der mit erstaunlich höflichen Umgangsformen aber wenig Wissen glänzt. Oder der Chef befördert die Mitarbeiterin, die sich in Wort und Schrift auffallend gut ausdrücken kann. Eine fähigere Frau bleibt unberücksichtigt, weil diese verbal nicht mithält, obwohl sie bessere Arbeit leistet.

Einfluss: So behindert der Halo Effekt dein Leben

Die Mechanismen beschränken unseren Blick und führen zu persönlichen Fehlentscheidungen.1http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/15068/1/Dissertation_Michael.Graef.pdf

  • In Partnerschaften: Menschen wählen sich regelmäßig einen Partner oder eine Partnerin nach falschen Kriterien aus, nur um hinterher eine unangenehme Überraschung zu erleben.
  • In Beziehungen: Freundschaften entstehen aufgrund eines täuschenden oberflächlichen Eindrucks und zerbrechen wieder.
  • Im Job: Ungeeignete Mitarbeiter gelangen an eine hohe Position, die ein anderer Kollege deutlich passgenauer ausgefüllt hätte. In der Folge kommt es zu Unstimmigkeiten, häufiger Fluktuation und manchmal zu Kündigungen. Das wiederum ist mit Verunsicherungen im Arbeitsteam verbunden, die Motivation leidet. 

Nicht nur einzelne Personen, auch Unternehmen und Organisationen unterliegen dem Halo Effekt.

Vermeidung: So kannst du dem Halo Effekt die Wirkung nehmen

Im beruflichen Umfeld existieren seit Jahren professionelle Maßnahmen zur Vermeidung des Halo Effekts. Personalauswahlverfahren lassen sich entsprechend objektivieren, was besonders in sensiblen Bereichen von Vorteil ist:

1. Anonymisierte Bewerbung: Die Australier haben ihre Bewerbungsschreiben zum größten Teil standardisiert und Fotos aussortiert. Stattdessen tauchen nur Kennzeichen auf, die konkret die Eignung für die jeweilige Stelle belegen. 

2. Assessment Center: Assessment Center gehören ebenfalls zu den Verfahren, die eine Täuschung verhindern sollen. Sie sollten möglichst standardisiert ablaufen und einen direkten Vergleich konkret berufsbezogener Daten ermöglichen.

3. Mehr-Augen-Prinzip: Vier Augen sehen mehr als zwei – und sechs oder acht Augen erweisen sich als noch genauer. Wenn eine Beurteilung aus möglichst vielen Blickwinkeln erfolgt, nähert sich das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit den objektiven Fakten an. 

4. Schulung: Spezielle Trainings und Schulungen helfen Personalern dabei, ihre persönliche „Objektblindheit“ zu überwinden und sich für Täuschungen zu sensibilisieren. Das macht sie weniger angreifbar für den Halo und Horn Effekt. 

5. Bewusstmachung: Im privaten Leben hilft es sich seiner psychologischen Mechanismen bewusst zu werden, diese in konkreten Situationen zu analysieren und Entscheidungen entsprechend abzuwägen. 


Die Gewinner des Halo Effekts

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, und das bezieht sich nicht allein auf äußere Attraktivität: Was „gefällt“ und „nicht gefällt“ ist von Mensch zu Mensch höchst unterschiedlich.

Insofern besteht für jeden die Möglichkeit, bei einer anderen Person vom Halo Effekt zu profitieren – oder den Horn Effekt als Stolperstein zu erleben. Normalerweise wirst du nie erfahren, warum dich jemand auf den ersten Blick verehrt oder ablehnt, es ist sein ganz persönlicher Psycho-Effekt. 

Bewusste Profiteure findest du in der Filmindustrie und der Marketing-Branche. Die Experten nutzen in diesen Sektoren allgemeine Schönheitsideale, um Aufmerksamkeit und Sympathie zu generieren. Überlege dir, ob du den Halo Effekt in deinem Beruf auf ähnliche Weise verwenden kannst, nicht nur um dich persönlich, sondern um deine Firma voranzubringen. 

Mein persönliches Fazit

Selbstentlarvung führt nicht nur zu vermehrter Selbsterkenntnis, sondern dazu, dass ich andere Menschen besser einzuschätzen lerne. Ich entlarve meine eigenen Fehlleistungen und -entscheidungen, kann sie im besten Fall noch im Entstehungsprozess revidieren. 

Die Erkenntnisse über den Halo Effekt und den Horn Effekt begleiten mich inzwischen im privaten und beruflichen Bereich. Ich gebe Menschen immer mindestens eine zweite Chance, wenn der erste Anlauf schiefgegangen ist. Besser sind drei oder vier Anläufe und eine langfristige Beobachtung, bevor ein finales Urteil fällt.

Im Zweifelsfall hilft es mir weiter, eine oder mehrere Vertrauenspersonen nach ihrer Einschätzung zu fragen, um eventuelle Täuschungen frühzeitig zu erkennen. Seither erlebe ich in meinen Beziehungen deutlich weniger Ent-täuschungen, also beendete Täuschungen.

Bemerkst du in einer bestimmten Situation, dass dich der Halo oder Horn Effekt blendet, dann hast du ab jetzt die Chance, anders als vorher zu reagieren. Hinterfrage deine spontane Sympathie oder deine Ablehnung: Sind diese Gefühle objektiv begründet – oder solltest du besser genauer hinsehen? 

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