Die wichtigsten Gewohnheiten von Bildungs-Unternehmer Stefan Hensel [Interview]

Stefan und ich lernten uns vor 7 Jahren kennen. Ich war auf der Suche nach einer Bleibe in Hamburg und er nach einem neuen WG-Mitglied für seine Wohnung. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden.

Ich war schwer beeindruckt von seinem Sinn für Ästhetik und seiner Elan. Bisher kannte ich noch niemanden, der 8 bilinguale Kindergärten gründete und trotzdem gemeinsam mit 3 anderen in einer coolen Wohnung im Szene-Viertel von Hamburg wohnt.

Stefan trägt die Eigenschaften in sich, die ich an echten Gründern und Unternehmern am meisten schätze: Spaß an der Kreation und Spaß am Leben. Er ist jemand, der Erfüllung auf allen Ebenen sucht und auch auf vielen davon findet, deshalb freue ich mich ihn für ein Interview gewonnen zu haben.

Bitte beschreiben dich in 5 Begriffen

Lebendigkeit, Instinkt, Aufrichtigkeit, Resilienz, Ehrgeiz

Wer ist Stefan Hensel?

Jemand der immer von Menschen gelernt hat die sich als Rollenmodelle zur Verfügung gestellt haben. Jemand der jeden Tag über die Realität in unserer Welt erstaunt und fasziniert ist. Er ist eine Person, an der man sich reiben kann.

Daneben ist er Unternehmer im Bereich der Bildung und getrieben von der Idee dass jeder Mensch seine eigenen Potenziale voll ausnutzen muss. Oft beobachtet er kleine Vorgänge und Menschen um daraus Ideen zu ziehen und notiert diese in ein kleines Buch um diese dann zu vergessen. Wenn er wieder mal unruhig ist, schaut er in dieses Buch (es ist eine echtes gebundenes Buch) um sich selber Aufgaben zu geben.

Ein älterer Freund hat Stefan Hensel mal als “liebevoll umtriebig” beschrieben. Das ist vermutlich eine gute Rahmung. Am meisten Entspannung findet Stefan, wenn er in der Luft, im Zug oder im Auto ist. Das Rauschen und die Schnelligkeit lassen ihn entspannen und nachdenken.

Was sind die wichtigsten Gewohnheiten und Routinen in deinem Leben?

  • Ich höre jeden Morgen einen Podcast, meistens zu einem gesellschaftspolitischen Thema. Gerade bin ich von dem Podcast von Diana Kinnert “Allein zu sein” beeindruckt. Das Briefing vom Handelsblatt und die Presseschau höre ich eigentlich immer zum Kaffee. Der Podcast von Rabbiner J. Sacks s.A. ist mein wöchentlicher Begleiter.
  • 4x in der Woche gehe ich schwimmen oder während der Corona Zeit aufs Laufband. Meistens zur Mittagszeit, wenn wenig Menschen im Wasser sind, so dass ich mich auf mich konzentrieren kann und nicht auf andere.
  • Häufig lese ich Biografien oder höre mir diese als Hörbücher an, weil ich es faszinierend finde, zu erfahren wie Menschen ihren Lebensweg gegangen sind. Gerade habe ich die Biografie von Essad Bey und Arthur Köstler beendet, zwei gerieben die vom Leben alles wollten. Amy Chua ist eine meiner Lieblingsautorinnen und ich versuche Hörbücher zum Thema Bildung zu lesen, um in der Bildungsdiskussion immer up to date zu bleiben.
  • Einmal im Jahr fahre ich an einen Ort, den ich nicht kenne; buche mir nichts als ein Auto mit dem ich eine Woche durch die Gegend fahre und lasse mich treiben von dem, was um mich herum passiert. Ich war In Albanien und habe dort tolle Begegnungen gehabt; in Portugal, immer wieder nach Israel aber nicht nur nach Tel Aviv oder Jerusalem sondern nach Arad, Dimaona, Kirijat Shmona oder gerade in der Pandemie bin ich durch Ostdeutschland gefahren und dann in Polen durch kleine Städte gefahren. Ich mag das zurückgeworfen sein und mir vorzustellen was passiert wäre, wenn ich an diesen Orten aufgewachsen wäre und was ich dann wohl heute machen würde. Ich bin einfach neugierig auf den Alltag der anderen.

Was sind deine Arbeitsabläufe im Alltag und wieso hast du dich für sie entschieden?

Nach dem Aufstehen und dem Podcast, dusche ich erst heiss und dann kalt, damit der Tag mich wach bügelt.

Dann schaue ich in die Nachrichten aus unserem Slack Chanel und beantworten die dringendsten Nachrichten bzw. mache Telefonate danach setze ich mich an meine To-Do-Listen, die ich laufend erweitere und bearbeite bzw. durchstreiche.

Auch hier habe ich keine digitale Aufgabenliste sondern übertrage diese laufend in mein Buch. Das gibt mir das Gefühl von Achievement am Ende eines Tages. 

Vor 10 Uhr lege ich mir keine Termine, weil ich die ersten Tagesstunden allein für mich und meine Gedanken haben möchte.

Stefan Hensel

Meine Kollegen wissen, dass ich keine Termine vor 10 Uhr machen möchte, weil ich die ersten Tagesstunden für mich und meine Gedanken haben möchte.

Seit der Pandemie machen ich die meisten Termine per Zoom und so beginnt haufig mein Tag mit Gesprächen und Updates mit meinen engen Kolleginnen und Kollegen oder Leuten aus Behörden oder anderen. 

Während ich meine Liste bearbeite bekomme ich manchmal anrufen von Kollegen aus unseren Kitas oder ich fahre in unsere Häuser um vor Ort ansprechbar zu sein oder Projekte zu planen. Zwischendrin bin ich dann im Wasser oder auf dem Laufband.

Am Nachmittag beschäftige ich mich mit Projekten in Planung oder der Akquise von Objekten oder Kitas bzw. unseren Aktivitäten im Ausland. Da ich ehrenamtlich einen politischen Verband führe, kommen die notwendigen Tätigkeiten auch in dieses Zeitfenster.

Ich versuche so oft wie möglich andere Einrichtungen oder Menschen zu besuchen, die ähnliches tun wie ich, da ich von ihnen am meisten lernen kann.

Stefan Hensel

Zwei bis dreimal die Woche bin ich zu Gast bei Veranstaltungen, Vorträgen oder führe selber Veranstaltungen durch. Häufig geht es hierbei um gesellschaftspolitische Themen und weniger um mein Geschäft.

Wie organisierst du dich? Wie managt du deine Zeit?

Viele Dinge die erledigt werden müssen trage ich in ein klassisches Heft ein. Darüber hinaus arbeite ich mit Dropbox und habe dort Listen die auch meine Kollegen füllen können. 

An manchen Tagen steht auch in meinem Terminplan einfach “keine Termine” wenn ich bereits absehen kann dass es sonst zu viel wird. 

Es macht keinen Sinn zu viel zu tun, dafür aber Sachen richtig und deshalb ist es ok einen ganzen Vormittag zu blocken, um Energie zu schöpfen.

Stefan Hensel

Wie findest du Balance in deinem Leben? Wo holst du dir deinen Ausgleich zur Arbeit?

Ich denke, das ist meine Lebensfrage. Sport ist ein Faktor und die Tatsache, das ich meine Arbeit und meine Ehrenamt nicht als Arbeit begreife.

Mir macht das ganz einfach Spass und ich habe das Glück mit tollen Leuten umgeben zu sein.

Ich koche unglaublich gerne und wenn am Freitagabend bei uns zuhause Gäste sind, dann freue ich mich und empfinde das als Ausgleich. Das ist eine Routine die ich sehr genieße.

Wie bringst du Abenteuer und Exploration (Neues) in dein Leben?

Mein Eindruck ist, dass das Abenteuer mich findet.

Ich denke es ist eine Haltungsfrage ob und wie man Menschen in das eigene Leben lässt oder ihnen Gehör schenkt. Dadurch entstehen Herausforderungen und Abenteuer.

Zum Beispiel versuche ich auf jede Reise ins Ausland Kollegen mitzunehmen, oft entdecken wir dann gemeinsam neues oder erleben Herausforderungen. Wenn eine Erzieherin zum ersten mal vor 400 Studenten in China über die eigene Arbeit berichtet – dann ist das sehr neu für diese Person und auch neu für mich.

Letztes Jahr waren wir in Ruanda mit einer Gruppe und die Prozesse, die ich mit den Kolleginnen dort hatte und was wir dort gemeinsam erlebt haben, hat mich den Kollegen näher gebracht und mir viele neue Einblicke ermöglicht.

Was sind deine Investment-Gewohnheiten?

Ich möchte mich eigentlich auf meine Projekte konzentrieren und setze deshalb auf eine Mischung aus ETF’s und Immobilien.

Meine Investments sind häufig langfristig angelegt und erlauben es mir mich um andere Sachen zu kümmern, die mir wirklich Spaß machen. In der Regel kaufe ich monatlich verschiedenen ETF’s und Fonds. Einen Mix aus den top five und amerikanischen und asiatischen Anlagen. Dafür habe ich jeden Monat eine gewissen Betrag reserviert.

Bei Immobilien schaue ich regelmäßig selber nach interessanten Angeboten auf Immobilienportalen oder gehe den Vorschlägen von Freunden sowie Menschen nach die als Immobilienverwalter tätig sind.

Ich habe Freunde, die in Kryptowährungen etc. investieren und auch ich habe das gemacht, aber die Volatilität ist mir zu hoch und ich habe auch wenig Interesse mich mit Freunden permanent darüber zu unterhalten.

Das beste Investment ist in meinen Augen eins bei dem man wenig Arbeit hat.

Welches Buch hat dein Leben verändert und wieso?

Lessons in Leadership – Rabbi Jonathan Sacks

Die Serie von Rabbi Jonathan Sacks s.A. Covenant and Conversations sowie Lessons in Leadership haben in den letzten Jahren viele Denkanstöße für mich geliefert.

In seinen wöchentlichen Auslegungen der Tora nimmt er Bezug auf unsere Gegenwart und unsere Fähigkeiten die Welt zum besseren Ort zu machen, Menschen zu führen, Verantwortung zu übernehmen und Orientierung zu geben sowie mit sich selbst kritisch zu sein.

Rabbi Sacks schlägt für mich eine Brücke zwischen unserer Vergangenheit und der Forderung die Zukunft zu gestalten, so dass jeder eine Möglichkeit zum eigenen anknüpfen findet. Gleichzeitig, kann ich eigene Fragestellungen mit den Lösungswegen von biblischen und historischen Personen abgleichen und daraus meine Schlüsse und Lehren ziehen.

Welche Menschen, welche Erlebnisse haben dein Denken nachhaltig geprägt und wieso?

Ist es nicht so, dass in verschiedenen Lebensabschnitten unterschiedliche Menschen Einfluss auf uns haben?

Meine Eltern, die aus sehr ungünstigen sozioökonomischen Verhältnissen stammen, wie man heute sagt, haben mir Werte wie den Wert von Familie und Loyalität vermittelt. Beide hatten vermutlich selber wenig Vorstellung davon, aber hatten den Willen uns Kindern ein sicheres Zuhause zu geben.

Erst seitdem meine Eltern nicht mehr leben, habe ich verstanden, wie wichtig und prägend diese frühen Erfahrungen für mich waren.

Ich habe in der Schule und in meinem Bildungsweg immer Autoritäten herausgefordert.

Stefan Hensel

Geprägt und Beeindruckt haben mich solche Menschen, die mich dennoch angenommen haben und vermutlich auch die Motivation hinter diesem herausfordernden Verhalten verstanden haben.

Eigentlich habe ich immer an Rollenmodellen gelernt, daher Menschen, die ich gemocht habe. Diese habe ich beobachtet und daraus meine Schlüsse gezogen.

Erlebnisse? Hier gibt es sicherlich eine Zyklus der mit der jeweiligen Lebenssituation zusammenhängt aber der Fall der Mauer und die Wendenjahre, welche ich als Kind in einer ostdeutschen Kleinstadt erlebt habe, die Verunsicherung meines Umfeldes und meiner Eltern, die ekelhafte rechtsextreme Gewalt auf der Strasse die selbst in der Schule nicht halt machte, aber auch die Infragestellung alles bisher gewesenen und das Versprechen die neuen Möglichkeiten zu nutzen waren für mich sehr prägend.

Wie findest du einen gesunden Umgang mit Technologie im Privat- und Berufsleben?

Ich habe mir angewöhnt E-Mails zweimal am Tag abzurufen. Wenn etwas wirklich wichtig ist, nutzen die Leute Slack oder greifen zum Telefon. Aber ich sehe auch dass meine “Bildschirmzeit” zeitweise sehr hoch ist. Ich denke ich hätte diese Frage gerne von einer anderen Person beantwortet um selber davon lernen zu können.

Meine E-Mails rufe ich nur 2x am Tag ab.

Stefan Hensel

Was möchtest du der Welt gerne mitteilen?

Wir leben derzeit in einer der besten Zeiten der Weltgeschichte, trotz Corona.

Vermutlich wird die Wissenschaft, sofern diese nicht ideologisch überbaut wird, mehr positiven Einfluss auf unser Leben haben als je zuvor. Wir leben heute länger und gesünder. In vielen Gesellschaften brechen Dinge auf und erlauben insbesondere Frauen und Mädchen mehr Freiheiten und teilhabe am Leben. Es ist also alles auf einem guten Weg.

Daran sollten wir uns erinnern und dann einfach machen.

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