Die drei wichtigsten Gehirn-Areale einfach erklärt

Immer wieder komme ich in meinen Artikeln das Gehirn, seine unterschiedliche Ariale und ihre Funktionen zu sprechen. Ich möchte dir die wichtigsten davon vorstellen und kurz erläutern.

[brain]

1 Die Amygdala – handelt emotional

Hilft dir aus (intensiven) Erfahrungen zu lernen und schützt dich vor Gefahren.

Die Amygdala, oder korrekter die Amygdalae, denn in jedem unserer Temporallappen⁺ sitzt eine, besteht aus einer Ansammlung sogenannter Kerne. Amygdala bedeutet Mandel und verweist auf die Mandel-ähnliche Form des prominentesten Kerns. Im Deutschen wird sie deshalb auch als Mandelkernkomplex bezeichnet. Sie ist als Teil des limbischen Systems⁺ eng mit deinen Emotionen und Erinnerungen verknüpft.

Temporallappen: Der Temporallappen ist die zweitgrößte Struktur im gesamten Gehirn und liegt jeweils kurz oberhalb der Ohren. Er hat vielfältige Funktionen und spielt unter anderem beim Geruchssinn, der Erkennung von Objekten, dem Erkennen gesprochener und geschriebener Sprache und dem Hören eine große Rolle.
Limbisches System: Als limbisches System bezeichnet man einen sehr alten Bereich des Gehirns, zu dem unter anderem der Hippocampus und die Amygdala zählen. Es beeinflusst unter anderem Emotionen, Sexualität und Verhalten, hängt mit Lernprozessen und dem Geruchssinn zusammen.

1.1 Ist unser Angstzentrum

In den letzten Jahrzehnten wurde dieser Teil des Gehirns vor allem im Zusammenhang mit dem Gefühl der Angst erforscht, denn die Amygdala spielt eine große Rolle bei deiner Reaktion auf interne und externe Stimuli, wie beispielsweise laute Geräusche. Sie stammt noch aus der Zeit, in der Menschen darauf angewiesen waren, bei drohender Gefahr sofort zu reagieren und löst eine “Fight, Flight or Freeze”-Reaktion aus. Deshalb wird sie auch als Angstzentrum bezeichnet. 

Mittlerweile zeigen viele Studien, dass die Funktionsweise der Amygdala viel komplexer ist, als zunächst angenommen. Sie trägt im Wesentlichen zu deinem Lernverhalten bei, um für den Erhalt deines Körpers (Homeostasis) zu sorgen. Die Amygdala steht in direkter Verbindung mit dem Thalamus⁺ (Reflexe) und den sensorischen Cortexarealen (Riechen, Schmecken, Hören, Fühlen, Sehen) und beurteilt neutrale Sinneseindrücke auf Basis ihrer emotionalen und motivationalen Relevanz.

Thalamus: Der Thalamus sammelt als größter Teil des Zwischenhirns Sinneseindrücke aus der Umwelt, sortiert diese aus und leitet sie weiter.

1.2 Verknüpft Emotion und Erinnerung

Vereinfacht ausgedrückt sorgt die Amygdala dafür, dass Erlebnisse mit Emotionen verknüpft werden. So entstehen positive und negative Erinnerungen. Dieser Prozess hilft dir einerseits, aus Erfahrungen zu lernen, kann bei einer überaktiven Amygdala aber auch zu posttraumatischen Belastungsstörungen, Angstzuständen und Ähnlichem führen. Denn die Amygdala kann nicht zwischen realen Ereignissen und Gedanken unterscheiden und verstärkt zusätzlich die Wahrnehmung der Emotionen.

Wenn du also wütend, traurig oder ängstlich bist, geht die Amygdala davon aus, dass du in echter Gefahr schwebst. Das sind die Momente, in denen du ohne zu denken handelst und beispielsweise in einer Streitsituation in Angriff oder Verteidigung übergehst.


1.3 Wichtig für soziales Verhalten

Forscher gehen davon aus, dass die Amygdala sich weiterentwickelt hat, um sich an komplexer werdende soziale Gefüge anzupassen. Menschen sind soziale Wesen, die miteinander spielen, arbeiten, essen und streiten. Eine größere Amygdala verbessert deine Fähigkeit soziale und emotionale Hinweise deines Gegenübers zu identifizieren, zu erkennen und aus ihnen zu lernen. Dadurch wird es dir erst möglich, komplexe Strategien zu entwickeln, um mit anderen zu kooperieren und zu konkurrieren.

2 Präfrontaler Cortex – trifft schlaue Entscheidungen

Hilft dir deine Ziele durch kluge Entscheidungen zu erreichen

Der präfrontale Cortex, kurz PFC, liegt im vorderen Teil des Frontallappens⁺. Alle Sinneswahrnehmungen werden hier gesammelt und interpretiert, entsprechende Reaktionen werden entschieden und Emotionen reguliert. Nicht ohne Grund gilt der PFC unter Experten auch als Sitz der Persönlichkeit, denn hier formt sich dein Verhalten unter Berücksichtigung äußerer Einflüsse und Bedingungen.

Frontallappen: Der Frontallappen befindet sich im vorderen Teil des Großhirns und steuert unter anderem motorische Funktionen und Emotionen.

Als neuere Gehirnstruktur steht der PFC mit einer zielgerichteten Aufmerksamkeit in Zusammenhang, die dir hilft deine Gedanken, Emotionen und Handlungen in Hinblick auf deine Ziele auszurichten, deine Pläne anzupassen, Impulse zu kontrollieren und so kluge Entscheidungen zu treffen. Gedanken, Emotionen und Handlungen werden vom PVC also immer daraufhin überprüft, ob sie deinen Zielen entsprechen. Der präfrontale Cortex überwacht und steuert zudem die Funktionen des Arbeitsgedächtnisses. Bis die Struktur vollständig ausgereift ist, braucht es bis zu 25 Jahre.

„Amygdala-Hijack“ – Wenn Angst regiert

In Stresssituationen oder bei Angst gelangen sensorische Informationen auch zur Amygdala, die in einem Bruchteil einer Sekunde, eine “Fight, Flight or Freeze”-Reaktion hervorrufen kann, bevor der PFC eine Chance hatte, die Informationen korrekt auszuwerten. Dieser Vorgang wird als Amygdala-Hijack bezeichnet und kann zu unüberlegten Kurzschlussreaktionen führen, wenn keine echte Gefahr droht. Forschungsergebnisse zeigen, dass Methoden, wie Achtsamkeit und Meditation dabei helfen können, Körper und Geist zu entspannen und einem Amygdala-Hijack vorzubeugen. Je entspannter du bist, desto besser die Entscheidungen, die du dank dem präfrontalen Cortex triffst.

3 Hippocampus – speichert alles ab

Der Hippocampus hat seinen Namen bereits im 16. Jahrhundert erhalten, als Forscher fanden, dass er Ähnlichkeiten mit einem Seepferdchen hätte. Zwar sind Ähnlichkeiten zu dieser Fischart nur mit viel Fantasie festzustellen, doch der Name hat sich gehalten. Es gibt zwei Hippocampi, jeweils einen in der linken und einen in der rechten Hemisphäre des Temporallappens.

Sie spielen eine entscheidende Rolle im Lernprozess durch die Speicherung kurzfristiger Informationen und die Festigung langfristiger Erinnerungen. Dabei haben die rechte und die linke Seite unterschiedliche Funktionen. Links werden neben kurzfristigen Informationen vor allem autobiografische und episodische Erinnerungen gespeichert, aus denen sich deine Lebensgeschichte zusammen setzt.

Im rechten Hippocampus werden räumliche Daten abgelegt, die es dir erlauben, beispielsweise den Weg nach Hause zu finden. Der Hippocampus reguliert außerdem die Amygdala und produziert über das ganze Leben hinweg neue Nervenzellen, die immer wieder neu verschaltet werden.

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